Klausurvorbereitung GPK [ 24.11.2002 ]
Da ja sicherlich jedem bekannt ist, dass am
Montag die so heiß begehrte Klausur
in Gesellschaftslehre-Politik geschrieben wird, fasse ich mal eben kurz einige der wichtigsten Punkte zusammen.
Zu der
wahrscheinlichen Thematik:
-
Der gerechte Krieg

Wir hatten uns in
den vergangenen Wochen nahezu ausschließlich mit diesem Thema befasst, daher
ist es mehr als sicher, dass es um diesen Themenbereich gehen wird.
Ich denke, es
erübrigt sich auf alle verteilten Blätter einzugehen. Die Klausur wird nämlich
aus einem anderen Text bestehen, den es zu interpretieren gilt. Wichtig in
diesem Zusammenhang wäre die Kenntnis über die Auffassung einiger mehr oder
weniger berühmter Menschen, von denen die meisten schon längst nicht mehr unter
uns weilen. Gut, unter uns vielleicht schon – im wörtlichen Sinne. Es wäre von
Bedeutung zu wissen, wann ein Krieg nach Meinung unserer literarischen
Hauptdarsteller der letzten Wochen gerecht ist und wann nicht.
Beginnen wir mit
einem Zitat unserer amerikanischen Intellektuellen:
Nächstenliebe verlangt Gewaltanwendung
Dieses Zitat hat es in sich. Man könnte es vielleicht damit interpretieren, dass es also gerechtfertigt wäre, einen geliebten Freund mit Bomben zu bewerfen, nur um damit seinen moralischen Beistand zu bekunden wenn etwas nicht im Sinne der amerikanischen Vorstellungen verläuft. Also auf das tägliche Leben bezogen dürfte man demnach weil man seine Mitschüler liebt, den Klassenlehrer mit Steinen bewerfen nur weil er meinen Kollegen drei Seiten Hausaufgaben aufgibt und damit meinen Interessen schadet.
Aber da die Säge
auch morgen noch ein Recht darauf hat zu sägen, wollen wir es bei diesem
Beispiel belassen.
Zurück zu unseren
Intellektuellen. Da ja jeder Mensch frei geboren ist und die gleiche Würde und
die gleichen Grundrechte besitzt, kann man getrost den Müll jener
Intellektuellen in den Ofen werfen um damit das Haus zu heizen. Wenn dieses
Zitat zutreffen würde, dann dürfte es keine Weisen geben, die anderen in ihr
Tun und Lassen hineinreden.
- Das Töten im Namen Gottes steht im Gegensatz zum Glauben an Gott und bedeutet den schwerstwiegenden Betrug an der Universalität religiösen Glaubens
Ein kluger Satz von schlauen Menschen, aber auch diese These kann man deuten wie man will.
Man könnte auch sagen: Das Töten im Namen eines Präsidenten steht im Gegensatz zu den Grundwerten der Demokratie
Um eine wahre Rechtfertigung für die Kriegsführung zu erhalten, muss man schon sehr weit zurück in die Vergangenheit wandern. Dort sprach einst der weise Heraklit vom Streit als Vater aller Dinge. Da man zu jener Zeit noch kein Internet und auch keine Übersetzungsprogramme besaß, schlichen sich mit der Zeit Fehler in der Deutung jener Worte ein. So begab es sich, dass plötzlich nicht mehr der Streit, sondern der Krieg Vater aller Dinge sein sollte.
Der gute alte Cicero ging da noch einen Schritt weiter:
Seiner Auffassung nach hatte der Staat ein Recht auf Kriegsführung als Mittel zum Zweck (zum Vorteil des Staates). Also hatte er damals schon die gleichen Intentionen, wie heute ein Herrscher Namens George W. Bush, seines Zeichens Präsident der USA.
Augustinus, ein Mann der Kirche legte später noch drei Kriterien für einen gerechten Krieg fest:
- Gerechter Grund
- Richtige Absicht (Verhältnismäßigkeit)
- Zustimmung des hohen Klerus
Von nun an lag also die Verantwortung eines gerechten Krieges bei den Herren der Kirche. Es läuten die Glocken, bei Pest und bei Pocken. Nun, vielleicht waren die Seuchen der frühen Jahre nach Christus eine Art der prähistorischen biologischen Kriegsführung der Kirche. Aber dies ist nichts weiter als Spekulation.
Ein Pazifist (Kriegsgegner) Namens Franziskus Stratmann erweiterte Anfang des letzten Jahrhunderts Augustinus Kriterien auf zehn Punkte:
- Schweres Unrecht auf einer und nur einer der beiden streitenden Parteien
- Schwere moralische Schuld auf einer der beiden Seiten. Bloß materielles Unrecht genügt nicht
- Zweifelsfreie Nachweisbarkeit dieser Schuld
- Unvermeidbarkeit der kriegerischen Auseinandersetzung nach Fehlschlagen aller im ganzem Ernst und ganzer Kraft unternommenen Verständigungsversuche
- Proportion zwischen Schuld und Strafmittel. Ein das Maß der Schuld überschreitendes Strafmaß ist ungerecht und unerlaubt
- Moralische Gewissheit, dass der Sieg der gerechten Sache zuteil werden wird
- Rechte Absicht, durch den Krieg das Gute zu fördern und das Böse zu vermeiden. Das aus dem Krieg zu erwartende Wohl des Staates muss das zu erwartende Übel übersteigen
- Rechte Art der Kriegsführung: Einhaltung der Schranken der Gerechtigkeit und Liebe
- Vermeidung schwerer Erschütterung anderer, nicht unmittelbar in die Kriegshandlung verwickelter Staaten sowie der christlichen Gesamtheit
- Kriegserklärung durch eine gesetzlich dazu autorisierte Obrigkeit im Namen Gottes zur Vollstreckung seiner Gerichtsbarkeit
Fehlt eine dieser Voraussetzungen, so wird nach Meinung Stratmanns der Krieg ungerecht.
Es gibt keinen >>gerechten<< Krieg und hat ihn nie gegeben
Zitat: Karlheinz Koppe
Soviel zum ersten Teil meiner GPK-Zusammenfassung.
Mit etwas Glück folgt gegen Abend noch eine Vortsetzung.
Vielleicht wäre es von Bedeutung sich den Text über die UN zu Gemüte zu führen.
Bei der Klausur zählt übrigens auch die eigene Meinung.
Zitate aus den Texten müssen als solche gekennzeichnet sein.
Für Fragen stehe ich gerne per Email zur Verfügung.
Mail: nrwfoundation@aol.com
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